Montag, 1. Juni 2015

Luxuslumpen


Ich kaufe gern in Secondhandläden ein, hauptsächlich in Großbritannien. Ich habe wenig Geld und ich mag günstige, originelle und wiederverwertbare Klamotten. In urbanen, deutschen Großstädten (wie Düsseldorf) hingegen scheint das ein unmöglicher Wunsch zu sein.

Denn die hiesigen Secondhandshops (Oxfam ausgenommen), die ursprünglich u.a. die Möglichkeit einer kostengünstigen Einkleidung darstellten , sind seit einigen Jahren erste Anlaufstelle für wohlsituierte, modebewusste und konsumfreudige HipsterInnen (wenn ich den abgelutschten Begriff mal gebrauchen darf). Sie setzen die dort angebotene Mode anscheinend ausschließlich dafür ein, um sich szenegerecht zu produzieren und „Statements“ zu setzen über Individualität, ihren thrifty Lifestyle und den Massenkonsum, den sie ja so verabscheuen. Dass sie genauso wild auf shoppen sind wie ein Primark-Teenager und ihre Einkäufe, was Menge und Kosten angeht, bestimmt mindestens im Durchschnitt liegen, sehen sie nicht.

Und so passt sich das Angebot der Secondhandgeschäfte der saturierten Kundschaft an. Vor einiger Zeit war ich in einem Laden in Flingern, sozusagen dem Prenzlauer Berg Düsseldorfs. Hier gab es keine durchgetragene, fehlerhafte, unmoderne, nach Kölnisch Wasser oder Keller stinkende, jedoch interessante und zudem preiswerte Ware. Der Großteil sah ungetragen und nahezu perfekt aus; es gab Marken-Heels der letzten Saison (im Vintage-Look, haha), aus Rio und Minsk importierte Kleidchen für 60 € aufwärts und Damenhüte original aus den 40ern.

Ich merkte am überfreundlichen Ton und dem gleichzeitig geringschätzigen Blick der Verkäuferin, dass sie mich nicht als ernstzunehmende Kundin sah. Ich war zu uncool, zu arm, zu dick und zu natürlich für das exquisit selektierte Sortiment, das wohl echten Streetstyle-Ikonen vorbehalten ist.

Ich schließe hiermit mein bourgeoises Gejammere und fahre nach Kik. Da guckt mich wenigstens keiner komisch an, wenn ich den super-reduzierten Duschvorhang als Regencape anprobiere.

Kommentare:

  1. Die Schwaben gibt es wohl nicht nur im Prenzlauer Berg in Berlin, sondern auch in Düsseldorf *seufz* Diese vermeintlich linken Bio-Öko-Besseresser-Menschen, die auch nur Karriere machen, einen reichen Kerl mit schickem Auto, Häuschen, Garten und so weiter haben wollen. Während meiner Uni-Zeit waren sie schon unerträglich, wenn sie so getan haben, als wollten sie für soziale Gerechtigkeit kämpfen, gegen Armut und den Welthunger sich engagieren, sich politisch einmischen etc. Eigentlich alle haben heute irgendwelche tollen Jobs und Pöstchen (durch Mami, Papi, Tante, Onkel oder Omi) und haben ihre Prinzipien (sofern sie jemals wirklich authentisch waren) vollständig über Bord geworfen.

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  2. Ja, ist schon alles merkwürdig, oder? Second-Hand heißt jetzt Vintage und kostet dementsprechend. Das Klientel scheint dafür vorhanden zu sein. Ich muss ja über diese Hippster-Twenty-Something-Frauen ja immer lachen, weil die einfach nur albern sind. So gerne würden sie individuell sein, sehen aber alle gleich aus. Ich gucke manchmal Shopping-Queen und da machen sie ja gerne mit. Dann gehen sie immer in schicke Berliner oder Münchener Vintage-Stores und kaufen einen gebrauchten Hut für über 100 Euro. Ein tolles Schnäppchen, echt Vintage... ;-))

    Aber Oxfam-Shop ist toll. Hab da selber mal ne Zeitlang während meines Studiums ausgeholfen. Hat sehr viel Spaß gemacht. Ich kaufe da vor allem Bücher, weil man eigentlich immer was findet und der Preis unschlagbar ist.

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  3. Argh... Die Bionade-Wolfskin-wir-sind-ach-so-alternativ-Fraktion *haben, haben, haben, gier, gier, gier*... Die kauft so was und nicht nur in Prenzlauer Berg (ich war noch nie in Berlin), sondern auch 20 km von Düsseldorf entfernt auch beim Aldi (die Cabrios, die einen da fast über den Haufen fahren gehören definitiv nicht Leuten, die kein Geld haben), bei der Caritas und der Diakonie (weiß ich aus zuverlässiger Quelle, die Frau hat dort einen 1€-"Job" und eigentlich sollten die guterhaltenen Sachen für die "Armen" sein, was fährt da vor? Dicke SUVs.). Und machen die Leute, die wegen geringem oder gar keinem Lohn eigentlich drauf angewiesen sind was Billiges zu kaufen noch blöde an. (Hab schon so eine Übermutti ziemlich fies einen Bauarbeiter beschimpfen sehen, der so *dreist* war in seiner Pause was von den Klamotten erwerben zu wollen.)

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